Jahreslosung 2018

Gott spricht:

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.


Offenbarung 21,6

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Herzogsägmühlerinnen und Herzogsägmühler!

Kennen Sie Durst? Das Gefühl zu vertrocknen, wenn die Zunge am Gaumen klebt, der Kopf glüht? Wenn überhaupt, dann wahrscheinlich allenfalls für kurze Zeit; bei einer Bergwanderung vielleicht, bei einem Ausflug mit dem Mountain-Bike, wenn man die Wasserflasche vergessen hat aufzufüllen, während der zweiten Halbzeit eines Fußballspiels in sengender Hitze. Aber schon am Abend fließt das Wasser wieder aus der Leitung, kühl, sauber, selbstverständlich. Durst ist wie Hunger aus unserem Alltag weitgehend verschwunden.

Für die Menschen, die zuerst die Offenbarung des Johannes hörten, war Durst vermutlich wesentlich häufiger eine echte Qual. Wasser war ein kostbares Gut. Ich erinnere mich an eine Reise in die tunesische Wüste mit einer Übernachtung bei Nomaden, die nachts unter einem unglaublichen Sternenzelt vom "Gott Wasser" erzählten. Wasser war ihnen heilig, mehr als nur wichtig.

In der Bibel steht die "Quelle des lebendigen Wassers" für noch mehr, als für die existentiell notwendige Versorgung des Menschen mit Flüssigkeit: So wie der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern vom Wort Gottes, so lebt er nicht nur vom Wasser, sondern von der lebendigen göttlichen Quelle. Diese Quelle stillt den Durst nicht nur nach Wasser, sondern nach Leben. Es geht um die Sehnsucht nach Sinn, nach Gelingen, nach Geborgenheit in Gott, nach Orientierung und nach der Fülle des Lebens als Geschöpfe Gottes. Diese Sehnsucht aber ist uns genauso vertraut, wie den Menschen in Israel zur Zeit des Johannes, der als Autor der Offenbarung gilt. Vielleicht sogar hat sich diese Sehnsucht 2000 Jahre nach dem Leben Christi verschärft - entfremdete Arbeit hinterlässt psychisch kranke Menschen, zerbrechende Familien sind alles andere als eine Seltenheit, die Betäubung durch Alkohol empfinden viele Menschen als Ausweg, um die Sinnlosigkeit der Welt überhaupt aushalten zu können. Die Jahreslosung sagt uns die Befriedigung dieser tiefen in uns wohnenden Sehnsucht ohne schädliche Nebenwirkungen zu: Unser Leben hat Sinn, kann gelingen, in der Zuwendung Gottes zu uns.

Und dann: Umsonst. Also ohne Einsatz von Eigenmitteln, ohne Kreditaufnahme, geschenkt und ohne Rückforderung mit Zinsen. Wir müssen uns dieses Geschenk nicht verdienen, weder durch Ablass, noch durch gute Werke oder frommes Verhalten. Es erfordert von uns nur die Bereitschaft, das Geschenk anzunehmen und auszupacken. Wie leicht fällt Ihnen das? Oder misstrauen Sie grundsätzlich solchen Zusagen, weil Sie hinter dem Köder eine versteckte Angel vermuten? Diese Frage zielt auf Ihr Gottesbild, auf Ihren Zugang zu Gottvertrauen.

Das Bild zur Jahreslosung greift diese eigentlich wunderbare Zusage unseres Schöpfers künstlerisch auf: Vor dem Hintergrund einer Wüstenlandschaft fließt die kraftvolle Welle, ohne Anfang und ohne Ende. Man bekommt Lust, sich dieser sprudelnden Quelle auszusetzen, das Wasser auf der Haut zu spüren, den inneren Durst immer wieder frisch zu stillen.

Ich bin gespannt, ob uns Allen das gelingt im vor uns liegenden Jahr. Und ich wünsche uns, dass wir, wenn unser Durst gestillt ist, anderen davon erzählen können, wie gut uns das getan hat.

Bleiben Sie uns wohlgesonnen!

Mit herzlichen Grüßen aus Herzosägmühle

Ihr
Wilfried Knorr